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Willy Brandt Gespräch 2026

Die Stiftung

Wie kann Europa seine Interessen in einem neuen Zeitalter der Großmächte vertreten? Welche Rolle kann Soft Power angesichts militärischer Konflikte und neuer Handelskonflikte spielen? Über diese und weitere Fragen diskutierten beim Willy-Brandt-Gespräch 2026 Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan, Alexander Stroh-Steckelberg von der Universität Bayreuth, Philip Küppers, Generalsekretär des Instituts für Auslandsbeziehungen, und Josephine Apraku. Im Mittelpunkt standen dabei auch die europäisch-afrikanischen Beziehungen und die Frage, was von Europas traditioneller Soft Power bleibt.

Schon in der Begrüßung durch die Co-Direktorin der Zentral- und Landesbibliothek Berlin, Inga Burgmann-Zamagni, und im Eröffnungsvortrag unseres Geschäftsführers Wolfram Hoppenstedt wurde deutlich: Soft Power und Kulturbeziehungen stehen unter Druck, bleiben aber für die Außenbeziehungen Deutschlands und Europas zentral. Im von Harald Asel (rbb24 Inforadio) moderierten Gespräch bestand Einigkeit: Soft Power bezeichnet keine altruistische
Politik. Sie dient Interessen, darf aber nicht mit schlichter Machtpolitik verwechselt werden. Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan verwies auf die Stärke der Entwicklungszusammenarbeit. Sie ermögliche Beziehungen, wo andere Formen deutscher oder europäischer Präsenz schwer greifen. Entscheidend sei, die Vielfalt afrikanischer Staaten und Gesellschaften anzuerkennen.

Im weiteren Verlauf wurde deutlich, dass die viel beschworene Partnerschaft mit afrikanischen Staaten häufig ein Schlagwort bleibe. Europa sei stärker auf Senden als auf Empfangen eingestellt. Alexander Stroh-Steckelberg betonte, wirklicher Austausch setze eine Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe voraus – mit seinen Folgen für afrikanische
Gesellschaften ebenso wie mit seiner geringen Präsenz in deutschen Debatten und Bildungsangeboten. Josephine Apraku unterstrich, die öffentliche Auseinandersetzung hinke dem gesellschaftlichen Interesse hinterher. Philip Küppers warnte vor einem Bedeutungsverlust kultureller Zusammenarbeit in der öffentlichen Debatte. Wer internationale Kooperation vor allem danach bewerte, was sie Deutschland bringe, schätze sowohl das Potenzial als auch die eigene Stellung in der Welt falsch ein. Die Ministerin erinnerte daran, dass in den jüngsten Koalitionsverhandlungen die Zukunft des BMZ infrage gestanden habe. Auf dem Podium bestand Einigkeit, dass Außenbeziehungen ohne eine solche staatliche Basis erheblich geschwächt würden.

Wie eng politische Fragen mit praktischen Bedingungen zusammenhängen, zeigte sich daran, wie Austausch verstanden und ermöglicht wird. Das Goethe-Institut sei in Afrika sehr präsent, vergleichbare afrikanische Institutionen fehlten in Deutschland jedoch. Unterbesetzte Botschaften und monatelange Wartezeiten auf Visa-Termine erschwerten kulturelle, wissenschaftliche und wirtschaftliche Initiativen. So wenig dies in der hiesigen öffentlichen Debatte eine Rolle spiele, so prägend sei diese Erfahrung für Menschen in afrikanischen Staaten.

Damit blickte das Gespräch weniger auf die Abgrenzung Europas von anderen Mächten, als auf die Frage, wie Deutschland und Europa vorhandene Möglichkeiten nutzen können. Ob es dafür große neue Konzepte brauche, blieb dahingestellt. Es brauche verlässliche Beziehungen, echte Offenheit für Austausch und die Bereitschaft, hier in Deutschland das Afrikabild an die Gegenwart anzupassen, anstatt in irreführenden, teils kolonial tradierten, teils allein von Not und Krisen geprägten Vorstellungen zu verharren.

Die Veranstaltung wird auf rbb24 Inforadio am 18.10.2026 um 11:00 Uhr (Wdhl. 21:00 Uhr) ausgestrahlt und steht als Video-on-Demand auf dem YouTube-Kanal der Stiftung zur Verfügung.

Eine Kooperation zwischen der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung und rbb24 Inforadio mit freundlicher Unterstützung der Zentral- und Landesbibliothek Berlin.

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