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Vergangenheit als Argument: Erinnerungspolitische Deutungskämpfe seit 1945

Forum Berlin

Die Frage nach der historischen Verantwortung, die aus der NS-Vergangenheit erwachsen ist, prägt die Debatten in Politik, Gesellschaft, Medien und Wissenschaft bis heute. Bereits unmittelbar nach 1945 begannen die Deutungskämpfe über den Umgang mit dieser Vergangenheit. Vor diesem Hintergrund lud unsere Stiftung zur zweiten Ausgabe des Buchsalons in das Forum Willy Brandt Berlin ein. Zu Gast waren der US-amerikanische Historiker Andrew I. Port und die Historikerin und Kulturwissenschaftlerin Marie Müller-Zetzsche.

Nach einer kurzen thematischen Einführung durch Wolfram Hoppenstedt entwickelte sich eine lebendige Diskussion, die Gespräch und Lesung miteinander verband. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich erinnerungspolitische Debatten in der Bundesrepublik seit den ersten Nachkriegsjahren entwickelt haben und welche Funktionen sie erfüllen. Andrew Port richtete den Blick vor allem auf bundespolitische Auseinandersetzungen und zeigte, wie die Erinnerung an den Holocaust immer wieder genutzt wurde, um tagespolitische Ziele zu verfolgen, etwa bei der Hervorhebung des Leids deutscher Vertriebener oder in Debatten über militärisches Eingreifen im jugoslawischen Bürgerkrieg. Dies setzte das Gespräch in eine Beziehung zum neuen Buch von Marie Müller-Zetzsche. Dabei wurde sichtbar, wie rechtsradikale Akteure in Deutschland und Frankreich in den Nachkriegsjahrzehnten eine eigene Erinnerungspolitik betrieben, die von rassistischen und antisemitischen Denkmustern geprägt war. Insgesamt zeichnete die von unserem wissenschaftlichen Mitarbeiter Frank Wolff moderierte Veranstaltung ein Bild, in dem deutlich wird, wie vielfältig Erinnerung mit politischen Interessen verbunden ist.

Für alle, die nicht dabei waren oder die Veranstaltung nachhören möchten: Die zweite Ausgabe des Buchsalons ist als Podcast auf unserem Kanal „Zeitgeschichte erleben“ verfügbar.

Die Bücher zum Nachlesen:

»Never Again: Germans and Genocide After the Holocaust von Andrew I. Port (Harvard University Press)
»Erneuerung der alten Rechten von Marie Müller-Zetzsche (Wallstein Verlag, ab Mai)

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