Biografie

Willy Brandt gilt als einer der herausragenden Staatsmänner des 20. Jahrhunderts. Geboren als Arbeiterjunge in Lübeck, machte er seinen Weg über Oslo und Stockholm nach Berlin und Bonn und hinterließ weltweit seine politischen Spuren. Ob als Sozialdemokrat, Nazi-Gegner, Regierender Bürgermeister von Berlin, Außenminister, Bundeskanzler, Friedensnobelpreisträger oder Weltpolitiker: Willy Brandt setzte sich stets für Freiheit, Frieden, Demokratie und Gerechtigkeit ein.

Jugend in Lübeck und Exil in Skandinavien

Willy Brandt kommt 1913 im Lübecker Arbeitermilieu zur Welt. Schon mit sechzehn Jahren tritt er in die SPD ein. Als die Nationalsozialisten 1933 in Deutschland die Demokratie zerschlagen, flieht Brandt nach Norwegen. Von dort aus leistet er Widerstand gegen das NS-Regime, das ihn 1938 ausbürgert. Im Zweiten Weltkrieg findet er Zuflucht in Schweden, wo er seinen politischen Kampf gegen die Hitler-Diktatur fortsetzt.

Politik im geteilten Berlin

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland beginnt 1948 Willy Brandts politischer Aufstieg in der Berliner SPD. 1957 wird er Regierender Bürgermeister. Leidenschaftlich verteidigt er die Freiheit West-Berlins und führt die Stadt aus der schweren Krise nach dem Mauerbau 1961. Bei den Bundestagswahlen 1961 und 1965 tritt Willy Brandt als Kanzlerkandidat der SPD an. Den Bundesvorsitz der Partei übernimmt er 1964. Immer wieder verleumden ihn politische Gegner wegen seiner Herkunft und seiner Rolle im Exil.

Regieren in Bonn

Ende 1966 wird Willy Brandt Außenminister und Vizekanzler der Großen Koalition. Nach der Bundestagswahl 1969 kommt es zum Machtwechsel. Die sozial-liberale Koalition aus SPD und FDP wählt Brandt zum ersten sozialdemokratischen Bundeskanzler. Seine Regierung verwirklicht innere Reformen und will mehr Demokratie wagen. Sie treibt die europäische Einigung voran und setzt eine neue Ost- und Deutschlandpolitik durch. Dafür wird Brandt 1971 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Im April 1972 scheitert ein Misstrauensvotum gegen ihn. Bei der vorgezogenen Bundestagswahl im November 1972 erringt Brandt einen überragenden Sieg. Im Mai 1974 tritt er wegen der Spionageaffäre Guillaume als Kanzler zurück.

Staatsmann ohne Staatsamt

Bis 1987 bleibt Willy Brandt Vorsitzender der SPD. 1976 wird er zudem Präsident der Sozialistischen Internationale, an deren Spitze er sich weltweit für Frieden, Demokratie und Menschenrechte engagiert. 1980 legt die von ihm geleitete internationale Nord-Süd-Kommission einen Bericht vor, der wegweisende Vorschläge für die globale Entwicklungspolitik macht.

Überzeugter Europäer und deutscher Patriot

Um den Frieden zu sichern, stemmt sich Willy Brandt in den 1980er Jahren gegen das atomare Wettrüsten. Als 1989 die kommunistischen Diktaturen zusammenbrechen, sieht der SPD-Ehrenvorsitzende eine große Chance für das Zusammenwachsen der freien Völker Europas. Mit aller Kraft unterstützt er 1990 die Vereinigung Deutschlands, die seine Politik erst möglich gemacht hat. Willy Brandt stirbt am 8. Oktober 1992 in Unkel bei Bonn.

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