Zum Tod von Mário Soares

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Mário Soares war der letzte ausländische Politiker, den Bundeskanzler Willy Brandt vor seinem Rücktritt traf. Wenige Tage zuvor – am 25. April 1974 – hatten linke Militärs die Diktatur im Südwesten Europas beendet. Fortan unterstützte Brandt als SPD-Vorsitzender Portugals Weg zur Demokratie. Mehrfach trat er auf Kundgebungen der Sozialisten auf, deren Vorsitzender Soares war. Gemeinsam kämpften sie gegen den Versuch der dortigen Kommunisten, eine linksextreme Diktatur zu etablieren. Brandt mobilisierte seine internationalen Kontakte, intervenierte in Washington und in Moskau zugunsten von Soares und gründete 1976 ein Solidaritätskomitee der europäischen Sozialdemokratie für die Demokratie in Portugal.

Anfang der 1980er Jahre kam es zu Spannungen zwischen Brandt und Soares. Der Portugiese warf Brandt – nun Präsident der Sozialistischen Internationale – unkritische Begeisterung für Nicaraguas Sandinisten vor und hielt auch nichts davon, dass die SPD den Nachrüstungsbeschluss der NATO ablehnte. Für Brandt wiederum war Soares zum “Lieblings-Sozialisten” von US-Präsident Reagan geworden.

Auf Dauer konnten diese Differenzen die politische Freundschaft der beiden großen Sozialdemokraten nicht beeinträchtigen. Auch Mário Soares zählte Anfang 1989 zu den Gästen auf der Feier zum 75. Geburtstag von Willy Brandt. Beide kämpften zeitlebens für die Freiheit.

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