Vortragsreihe Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung, Institut für Zeitgeschichte

Fahnenflucht und Propagandakrieg – Vortrag von Carsten Richter

Forum Berlin

Am 1. September startete die digitale Vortragsreihe der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung in Kooperation mit dem Institut für Zeitgeschichte München-Berlin. Die Reihe gibt Nachwuchswissenschaftler*innen aus dem Bereich der Zeitgeschichte die Möglichkeit, ihre Forschungsprojekte zur Diskussion zu stellen.

Carsten Richter, der an der Humboldt-Universität zu Berlin über die „Psychologische Verteidigung” der Bonner Republik promoviert, sprach in seinem Vortrag über einen besonders spannenden Aspekt seines Dissertationsvorhabens: die wechselseitige propagandistische Nutzbarmachung von „Fahnenflüchtigen” der Bundeswehr und der Nationalen Volksarmee im deutsch-deutschen Systemkonflikt.

Die DDR nutzte Fahnenflüchtige der Bundeswehr und die durch sie gewonnenen Informationen gezielt für ihre Propaganda zur Diskreditierung der Bundesrepublik. Ziel war es, innerhalb der westdeutschen Gesellschaft und insbesondere innerhalb der Bundeswehr Misstrauen gegen die eigenen Institutionen zu säen und letztlich die Verteidigungsfähigkeit der Bundesrepublik zu schwächen. Im Gegenzug versuchte die Bundeswehr mit der 1959 aufgestellten Truppe „Psychologische Kampfführung” (PSK), Soldaten der Nationalen Volksarmee und unter ihnen vor allem die Grenzsoldaten zur Fahnenflucht zu ermutigen. Zu diesem Zweck wurden nicht nur große Mengen an Flugschriften in Ballons über dem Grenzgebiet abgeworfen, die Bundeswehr schuf auch eine spezielle Institution zur Betreuung und Integration von Überläufern aus der DDR.

In die anschließende Diskussion mit Hermann Wentker (Institut für Zeitgeschichte München-Berlin) und Kristina Meyer (Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung) konnten auch die Zuschauenden des Livestreams über den Chat des YouTube-Kanals ihre Fragen an Carsten Richter einbringen.

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