Frieden stiften? Nobelpreisträger*innen der 1970er Jahre

Was haben Willy Brandt und Andrej Sacharow gemein? Was verbindet sie mit Henry Kissinger, Le Duc Tho oder Anwar as-Sadat und Menachim Begin? Und mit den Irinnen Mairead Corrigan und Betty Williams oder mit Amnesty International? Sie alle wurden in den 1970er Jahren für ihre Friedenspolitik mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Aber welche Vorstellung von Frieden und Konfliktregulierung war mit diesen Auszeichnungen verbunden? Wie wurden die Entscheidungen des Osloer Komitees in Politik und Gesellschaft wahrgenommen und diskutiert?

In biografischen Skizzen werden ausgewählte Preisträger*innen vorgestellt und ihr friedenspolitisches Engagement in unterschiedlichen Konflikten und Regionen analysiert – mit dem Ziel, Wandlungsprozesse und Weiterentwicklungen des Verständnisses von Frieden in den Blick zu nehmen und gleichzeitig die Wirkung und Wahrnehmung des Friedensnobelpreises näher zu bestimmen.

Das Symposium findet als Livestream auf dem YouTube-Kanal der Stiftung statt und bedarf keiner vorheriger Anmeldung. Sie können über den Live-Chat auf YouTube Fragen stellen und mitdiskutieren. Stellen Sie hierfür sicher, dass Sie einen YouTube-Account haben und eingeloggt sind.

Programm

13:00 Uhr
Begrüßung und Einführung
Dieter Dowe (Bonn)
Bettina Greiner (Lübeck)

13:15 Uhr
Panel 1: Visionäre des Friedens?
Willy Brandt (1971) – Benedikt Schönborn (Wien)
Andrej Dmitrijewitsch Sacharow (1975) – Irina Scherbakowa (Moskau)
Moderation: Wolfgang Schmidt (Berlin)

14:45 Uhr
Panel 2: Von Kriegstreibern zu Friedensmachern?
Henry Kissinger/Le Duc Tho (1973) – Bernd Greiner (Lübeck)
Anwar as-Sadat/Menachim Begin (1978) – Dan Meridor (Tel Aviv), Vortrag in englischer Sprache
Moderation: Kristina Meyer (Berlin)

16:30 Uhr
Panel 3: Pax in praxi?
Mairead Corrigan/Betty Williams (1976) – Corinna Hauswedell (Bonn)
Amnesty International (1977) – Frank Bösch (Potsdam)
Moderation: Bernd Rother (Berlin)

17:45 Uhr
Kommentar
Jan Eckel (Freiburg)
Moderation: Izabela Dahl (Örebro)

18:00 Uhr
AbschlussdiskussionIm Anschluss findet um 19:30 Uhr die öffentliche Podiumsdiskussion „Unersetzlich, aber bald irrelevant? Der Friedensnobelpreis heute“ statt. »mehr

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums:

Frank Bösch ist Direktor des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung (ZZF) Potsdam und Professor für deutsche und europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts an der Universität Potsdam. Er studierte Geschichte, Germanistik und Politikwissenschaft an den Universitäten Hamburg und Göttingen. Mit einer Arbeit über „Die Adenauer-CDU“ wurde er 2002 promoviert. Seine Forschungsschwerpunkte sind die deutsche Zeitgeschichte im globalen Kontext, politische Sozialgeschichte und Mediengeschichte. Zu seinen jüngsten Veröffentlichungen zählt die Monographie „Zeitenwende 1979. Als die Welt von heute begann“ (C.H.Beck 2019).

Izabela Dahl ist Dozentin an der School of Humanities, Education and Social Sciences der Universität Örebro in Schweden. Im akademischen Jahr 2021/22 ist sie Gastprofessorin an der Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie an der Universität Biefeleld. Promoviert wurde Dahl 2011 an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Arbeit über polnische jüdische Zwangsmigration in Schweden nach dem Zweiten Weltkrieg, die 2013 im Berliner Metropol Verlag veröffentlicht wurde. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Oral History, deutsch-nordeuropäische Beziehungen im 20. Jahrhundert, europäische Erinnerungskultur sowie die Geschichte des Antisemitismus. Izabela Dahl gehört dem Internationalen Beirat der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung an.

Dieter Dowe ist Mitglied des Vorstands der Bundeskanzler Willy-Brandt-Stiftung. Er studierte Geschichte, Latein, Philosophie und Germanistik und wurde 1969 an der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn promoviert. Bei der Friedrich-Ebert-Stiftung war er zunächst in der Abteilung Sozial- und Zeitgeschichte tätig und leitete dann von 1990 bis 2008 das stiftungseigene Historische Forschungszentrum in Bonn. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung und der deutschen Sozialdemokratie sowie die Geschichte der Weimarer Republik. Zuletzt gab er zusammen mit Anja Kruke und Michael Schneider den Sammelband „Der Deutsche Gewerkschaftsbund. 1969-1975“ (J.H.W. Dietz 2013) heraus.

Jan Eckel ist Professor für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Von 2016 bis 2021 war er Direktor des Seminars für Zeitgeschichte an der Universität Tübingen, wo er auch den Lehrstuhl für Neuere Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Zeitgeschichte innehatte. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die  Geschichte der Geschichtswissenschaft, der Wissenschaftsgeschichte und der Intellektuellengeschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert sowie die Geschichte der Menschenrechte und die Geschichte der internationalen Politik im 20. Jahrhundert. Zu seinen Veröffentlichungen zählt die Monographie „Die Ambivalenz des Guten. Menschenrechte in der internationalen Politik seit den 1940ern“ (Vandenhoeck & Ruprecht 2014).

Bernd Greiner ist Gründungsdirektor des Berliner Kollegs Kalter Krieg | Berlin Center for Cold War Studies. Er lehrte Außereuropäische Geschichte an der Universität Hamburg und leitete bis 2014 den Arbeitsbereich „Theorie und Geschichte der Gewalt“ am Hamburger Institut für Sozialforschung. Sein Forschungsschwerpunkt ist die US-amerikanische Geschichte des 20. Jahrhunderts unter besonderer Berücksichtigung des Kalten Krieges und der Beziehungen zwischen Militär und Zivilgesellschaft. Zu seinen jüngsten Veröffentlichungen zählen die Biographie „Henry Kissinger. Wächter des Imperiums“ (C.H.Beck 2020) sowie die Monographie „Made in Washington. Was die USA seit 1945 in der Welt angerichtet haben“ (C.H.Beck 2021).

Bettina Greiner ist Leiterin des Willy-Brandt-Hauses Lübeck. Sie studierte Geschichte, Politik und Amerikanistik in Frankfurt am Main, Hamburg und Bern, wo sie 2008 mit einer Arbeit über sowjetische Speziallager promoviert wurde. Von 2010 bis 2018 war sie für das Hamburger Institut für Sozialforschung als Projektkoordinatorin der Berliner Colloquien zur Zeitgeschichte und des Berliner Kollegs Kalter Krieg | Berlin Center for Cold War Studies tätig. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen die deutsche Nachkriegsgeschichte und der Kalte Krieg, die Erinnerungskultur sowie die Public History. Zusammen mit Corine Defrance und Ulrich Pfeil gab sie zuletzt den Sammelband „Die Berliner Luftbrücke. Erinnerungsort des Kalten Kriegs“ (Ch. Links 2018) heraus.

Corinna Hauswedell ist Historikerin sowie Friedens- und Konfliktforscherin. 1997 wurde sie mit einer Arbeit zu „Friedenswissenschaften im Kalten Krieg“ an der Universität Hamburg promoviert. Als Dozentin lehrte sie an den Universitäten Galway (Irland), Mannheim, Köln und Hamburg. Zwischen 1994 und 2006 war sie für das Bonn International Centre for Conflict Studies (BICC) als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig und verantwortete dort unter anderem eine Studie zum Friedensprozess in Nordirland. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die deutsche und europäische Außenpolitik, die Gewalt- und Konfliktforschung sowie Fragen des Peacebuilding. Corinna Hauswedell war langjährige Mitherausgeberin der Friedensgutachten.

Dan Meridor war von 2009 bis 2013 Israels stellvertretender Premierminister unter Benjamin Netanjahu sowie Minister für Staatssicherheit und Atomenergie. Zuvor hatte der studierte Jurist das Amt des Justiz- (1988 bis 1992) und anschließend das des Finanzministers (1996-1997) inne. Seit 2014 ist er Vorsitzender des „Israel Council on Foreign Relations“. In den israelischen Medien und darüber hinaus ist Dan Meridor ein vielgefragter Gesprächsgast und Kommentator zu historisch-politischen Themen.

Kristina Meyer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung in Berlin. Sie studierte Geschichte, Politik- und Kommunikationswissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum. Promoviert wurde sie 2013 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, wo sie von 2006 bis 2013 geschäftsführende Assistentin und von 2013 bis 2020 wissenschaftliche Geschäftsführerin des Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts war. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen die Nachgeschichte des Nationalsozialismus, die Geschichte der Sozialdemokratie sowie die Geschichte der deutsch-israelischen Beziehungen. Ihre Dissertation „Die SPD und die NS-Vergangenheit 1945-1990“ erschien 2015 im Wallstein Verlag.

Bernd Rother ist Senior Fellow der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung in Berlin, wo er von 1999 bis 2020 als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war. Nach einem Studium der Geschichte und Politikwissenschaft an der TU Braunschweig wurde er 1984 mit einer Arbeit über die Sozialistische Partei Portugals promoviert. Vor seiner Tätigkeit für die Willy-Brandt-Stiftung arbeitete er unter anderem am Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien in Potsdam. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die deutsche Zeitgeschichte und die Geschichte der deutschen und europäischen Arbeiterbewegung. Zuletzt erschien von ihm die „Monographie Sozialdemokratie global. Willy Brandt und die Sozialistische Internationale in Lateinamerika“ (Campus 2021).

Irina Scherbakowa ist Publizistin und Übersetzerin. Die studierte Historikerin und Germanistin wurde 1972 promoviert. Sie ist Vorstandsmitglied der Internationalen Gesellschaft für Historische Aufklärung, Menschenrechte und Soziale Fürsorge MEMORIAL (Moskau) und Mitglied des Internationalen Beirats der Stiftung Topographie des Terrors in Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte des Totalitarismus und des Stalinismus, des Gulag und der sowjetischen Speziallager auf deutschem Boden sowie die Oral History und Erinnerungspolitik. Zuletzt gab sie das Buch Für immer gezeichnet. Die Geschichte der „Ostarbeiter“ in Briefen, Erinnerungen und Interviews“ (Ch. Links 2019) heraus.

Wolfgang Schmidt ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung in Berlin. Er studierte Politikwissenschaft in Bonn und Lawrence, Kansas (USA), und wurde an der Philipps-Universität Marburg zum Thema „Kalter Krieg, Koexistenz und kleine Schritte – Willy Brandt und die Deutschlandpolitik 1948–1963“ promoviert. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die deutsche und internationale Zeitgeschichte nach 1945, die Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen, die Ost- und Deutschlandpolitik Willy Brandts sowie die Geschichte des Kalten Krieges. Zusammen mit Axel Schildt gab er zuletzt den Sammelband „,Wir wollen mehr Demokratie wagen.‘ Antriebskräfte, Realität und Mythos eines Versprechens“ (J.H.W. Dietz 2019) heraus.

Benedikt Schönborn ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungszentrum für die Geschichte von Transformationen an der Universität Wien. Von 2012 bis 2020 war er Senior Research Fellow und Dozent an der Tampere Universität in Finnland. Er wurde 2006 im Fach Internationale Beziehungen und Zeitgenössischer Geschichte an den Universitäten Paris-Sorbonne und Genf promoviert. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die deutsche und französische Außenpolitik, die Nachkriegsgeschichte, die Geschichte des Kalten Krieges sowie die Versöhnungs- und Friedenspolitik. Zuletzt erschien von ihm Reconciliation Road. Willy Brandt, Ostpolitik and the Quest for European Peace“ (Berghahn Books 2020).

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